Die perfekte Lernmethode im Studium

Die perfekte Lernmethode im Studium

Aktualisiert: 11.01.2023     Lesezeit: ~10min von Roland Russwurm

Lernen
Active Recall
Cornell Methode
Übungstests
Verteiltes Lernen
Lerntypen
Flashcards
Lernkarten



Damit wir die optimale Lernmethode für das Studium finden, sehen wir uns in diesem Artikel an:

  • Wie von den meisten gelernt wird
  • Die zwei optimalen Lernmethoden
  • Effizientes Lernen in der Praxis

Einleitung zu Lernmethoden

Studien zum Arbeitsaufwand von Studenten und Studentinnen zeigen, dass es große Unterschiede zwischen den Lernenden gibt. Im Mittel werden etwa 24 Stunden pro Woche aufgewendet - und zwar für alles zusammen, also für Vorlesungen, Übungen und schließlich zum Lernen [4] .

Damit man mit diesem Aufwand optimale Ergebnisse erreicht, sollte natürlich das Lernen selbst so perfekt wie möglich gestaltet werden.

Im folgenden Artikel wirst du erfahren, welche Lernmethoden aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten optimal für dein Studium sind und wie du deine Ergebnisse beim Lernen in eine neue Dimension heben kannst [2] .

Insbesondere die Auswahl einer geeigneten Lerntechnik ist besonders wichtig, damit die verfügbare Zeit optimal genutzt werden kann. Bei den Lerntechniken gibt es eine Menge unterschiedlicher Methoden und Techniken und natürlich ganz besonders viele Mythen, allerdings sind die meisten davon nicht wirklich wissenschaftlich haltbar bzw. sind nicht so hilfreich, wie man denken würde.

Wir werden uns hier ansehen, mit welchen Methoden du die optimalen Ergebnisse in kürzester Zeit erzielst. Mit Lernen im Schlaf können wir hier leider nicht behilflich sein, aber die Ergebnisse sind trotzdem ein Traum.

Verwendete Lernmethoden

Sehen wir uns zuerst an, wie von den meisten heute gelernt wird, damit wir ein Gefühl für die Stärken und Schwächen der üblichen Lernmethoden bekommen. Da es kein Fach für “Lernmethoden” oder “Lernen” an der Schule gibt und auch keine Pflichtfächer dafür an den Universitäten, kommen hier meistens die seit Generationen weitergegebenen Techniken zum Einsatz.

Unter den besonders häufig verwendeten Lernmethoden findet man das wiederholte Lesen, das Markieren von wichtigen Textstellen und die Zusammenfassung von Lernmaterialien.

Das wiederholte Lesen des Lernmaterials bringt zum Beispiel relativ wenig Effekt, das heißt, man muss Texte sehr oft wiederholen, um einen guten Lerneffekt zu erreichen. Studien zeigen, dass nach dem zweiten Lesen eines Textes nur noch sehr wenig Steigerung durch zusätzliches Lesen dazu kommt.

Zusammenfassungen können bei gewissen Themen durchaus hilfreich sein, wenn die Zusammenfassungen selbst erstellt werden und damit das Thema tiefer durchdacht wird. Allerdings ist dazu eine intensive zeitliche Beschäftigung mit dem Thema notwendig und man muss auch eine gewisse Übung im Erstellen von Zusammenfassungen haben, um hier effizient arbeiten zu können.

Natürlich kann man mit diesen und anderen Techniken auch lernen und wunderbare Erfolge erzielen. Allerdings sind diese Techniken nicht optimal und benötigen mehr Zeit bzw. mehr Aufwand als eigentlich notwendig wäre. Das ist besonders wichtig, da auch die Motivation eine entscheidende Rolle spielt und die Motivation mit steigendem Aufwand entsprechend sinkt.

Arten von Lernmethoden

Nachdem wir nun gesehen haben, wie es nicht so optimal ist, wollen wir uns nun auf die Suche nach der optimalen Technik machen.

Um die optimale Lerntechnik zu finden, muss man sich zuerst überlegen, welche Lerntechniken überhaupt zur Verfügung stehen, da es inzwischen eine fast unüberschaubare Anzahl gibt und dann muss man sich natürlich auch noch über die Rahmenbedingungen des Lernens im Klaren sein.

Diese Rahmenbedingungen sind wichtig, da wir eine Methode suchen, die insbesondere für die typischen Anforderungen an der Universität hilfreich ist - und nicht zum Erlernen von Dart oder Eishockey. Die einzelnen Lerntechniken sind insbesondere in Bezug auf Lernbedingungen, Eigenschaften der Person, Lernmaterialien und Lernziel zu betrachten, damit wir eine Methode finden, die auch generell anwendbar ist.

Bei den Lernbedingungen geht es um das Lernen in der Gruppe oder alleine, die Lernumgebung und insbesondere wie einfach eine Methode umgesetzt werden kann.

Bei den Eigenschaften der Person geht es darum, dass die Methode natürlich auch für eine große Bandbreite an Studenten und Studentinnen hilfreich ist. Also für Junge und Alte, für Anfänger und Fortgeschrittene und welche mit unterschiedlich ausgeprägten Merkfähigkeiten und Vorkenntnissen.

Die Lernmaterialien sind beim Lernen an der Universität zum größten Teil schriftlich und mündlich, während motorisches Lernen kaum zu finden ist. Also die Lernmethode soll von einfachen Konzepten über mathematische Aufgaben bis hin zu wissenschaftlichen Texten möglichst viel abdecken.

Und dann muss natürlich noch das Lernziel betrachtet werden, da es einen Unterschied macht, ob man für eine Prüfung am Semesterende lernt oder als Pilotin ein Flugzeug sicher zum Ziel bringen muss. Für uns geht es meistens um das Abrufen von gelernten Faktoren, das Lösen von vorgegebenen Problemen oder das Schreiben von Texten.

Genau diese Überlegungen haben sich John Dunlosky und seine Kollegen und Kolleginnen an der Kent State University auch gemacht und die Effekte von unterschiedlichen Lernmethoden untersucht.

Optimale Lerntechnik

In der Studie von Dunlosky wurden 10 verschiedene Methoden und Techniken genauer auf ihre Erfolgsrate untersucht. Dabei waren das Hinterfragen des Lernmaterials, das Erstellen von Zusammenfassungen, Markieren bzw. Hervorheben wichtiger Lernelemente, erstellen von grafischen Repräsentationen, wiederholtes Lesen von Lernmaterial aber auch das verschachtelte Lernen von unterschiedlichem Lernmaterial enthalten. Also wurden praktisch alle wichtigen Methoden bewertet [2] .

Nach der Berücksichtigung der oben genannten Faktoren und Auswertung von unzähligen Studien haben sich zwei optimale Lerntechniken herauskristallisiert.

Die beiden optimalen Lerntechniken sind Übungstests und verteiltes Lernen.

Wie Edward Thorndike, einer der Pioniere der Lerntheorie, bereits 1906 gesagt hat:”... die aktive Erinnerung an eine Tatsache von innen ist in der Regel besser als ihr Eindruck von außen.

Sehen wir uns diese beiden Lerntechniken nun etwas genauer an, damit du eine Vorstellung hast, wie du diese in deinen Lernprozess integrieren kannst.

Bei den Übungstests können Selbsttests, gegebene Übungstests von Vorlesungen oder auch selbst erstellte Fragen verwendet werden. Es geht also darum, dass das Lernmaterial immer wieder in verschiedenen Tests überprüft wird. Beim Testen werden die Informationen im Langzeitgedächtnis gesucht und dadurch wird Wissen im Langzeitgedächtnis aktiviert, welches mit den neuen Informationen kombiniert abgelegt wird - und damit später einfacher abrufbar ist.

Durch das Testen der gelernten Informationen werden die Informationen also besser organisiert und ein späterer Abruf dadurch vereinfacht. Dadurch sind unterschiedliche Arten von Tests ein sehr effizientes Werkzeug zum Lernen - und bereiten beiläufig auch noch auf die richtige Testsituation vor.

Beim verteilten Lernen geht es darum, dass die Lernaktivitäten über längere Zeit verteilt werden. Verteiltes Lernen ist damit das Gegenteil von massiven Lernen direkt vor einer Prüfung.

Wendet man die gleiche Zeit für massives Lernen kurz vor einer Prüfung und für verteiltes Lernen über einen langen Zeitraum auf, so ist verteiltes Lernen langfristig weit effizienter. Allerdings ist für verteiltes Lernen auch ein entsprechender Plan und eine langfristige Vorbereitung auf Themen notwendig.

Optimales Lernen in der Praxis

Nachdem wir die zwei optimalen Lernmethoden kennengelernt haben, sehen wir uns die Umsetzung etwas genauer an. Besonders die Umsetzung ist oft der schwierigste Teil, da ein theoretisches Konzept schön klingt, aber die Frage ist natürlich, wie man es konkret anwendet.

Unter Übungstests verstehen wir also alle Arten von “Abfragen” der Lerninformationen, welche von Lernenden aktiv durchgeführt werden können. Dazu zählen Lernkarten, sowohl Karten auf Karton als auch virtuelle Lernkarten am Computer oder Mobiltelefon, aber auch das Beantworten von Fragen am Ende eines Buchkapitels oder das eigene Durchrechnen oder Durcharbeiten von Beispielen.

Eine weitere Möglichkeit ist auch die Nutzung des Cornell Notizsystems, welches z.B. für das Mitschreiben bei Vorlesungen eingesetzt werden kann. Dabei wird neben den Notizen auch noch eine Spalte auf der linken Seite für Schlagworte bzw. Fragen verwendet [5] .

Damit die Durchführung von Tests auch optimal funktioniert, sollte auch direktes Feedback über die richtigen Antworten verfügbar sein. Es hat sich zwar gezeigt, dass Übungstests auch ohne Feedback durchaus Vorteile bringen, aber mit Feedback wirkt es erst so richtig stark.

Die zweite sehr effiziente Methode ist das verteilte Lernen. Im Prinzip ist das relativ einfach und den meisten, zumindest halb-bewusst, auch klar. Es benötigt aber eine gewisse Planung, damit verteiltes Lernen auch erfolgreich umgesetzt werden kann.

In Studien zeigte sich, dass verteiltes Lernen von Studenten besser umgesetzt wird, wenn es Prüfungen in kürzeren Intervallen gibt - das ist naheliegend, da Prüfungen in kürzeren Intervallen natürlich auch die notwendige Vorbereitung davor in kürze Intervalle unterteilt.

Daher sind Übungstests eine ideale Kombination mit dem verteilten Lernen. Dadurch gibt es automatisch öfter Prüfungen und es ergibt sich daraus ein besseres verteiltes Lernen.

Das Lernsystem

Basierend auf den optimalen Lernmethoden, solltest du regelmäßig den Lernstoff bearbeiten und durch Übungstests immer wieder überprüfen. Durch den Einsatz von modernen Lernkarten-Systemen lässt sich das inzwischen auch sehr einfach umsetzen und gestalten. Als Beispiel für ein sehr umfangreiches und bekanntes System kann hier Anki erwähnt werden [3] .

Damit das verteilte Lernen optimal funktioniert, am besten einen ganz einfachen Kalender verwenden und für alle gewünschten Prüfungen Lernblöcke über das Semester eintragen. Mit Hilfe dieser Lernblöcke hat man einen guten Überblick über die zu erledigenden Themen und hat am Ende auch ein schönes “Erfolgstagebuch” über alle erledigten Lernblöcke.

Diese einzelnen Lernblöcke kann man übrigens auch nach der Pomodoro-Technik gestalten, aber das ist ein anderes Thema [1] .

Weiterführende Links

Anki Flashcards: Anki Web

Pomodoro Technik: Pomodoro Technik im Detail

Literatur

[1]: Cirillo, F. (2018). The Pomodoro Technique: The Life-Changing Time-Management System. Random House.

[2]: Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Im-proving Students’ Learning With Effective Learning Techniques: Promising Di-rections From Cognitive and Educational Psychology. Psychological Science in the Public Interest: A Journal of the American Psychological Society, 14(1), 4–58. https://doi.org/10.1177/1529100612453266

[3]: Elmes, D. (2022). Anki Flashcards. https://apps.ankiweb.net/

[4]: Metzger, C., & Schulmeister, R. (2020). Zum Lernverhalten im Bachelorstudium. Zeitbudget-Analysen studentischer Workload im ZEITLast-Projekt. In D. Großmann, C. Engel, J. Junkermann, & T. Wolbring (Hrsg.), Studentischer Workload: Definition, Messung und Einflüsse (S. 233–251). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-28931-7_9

[5]: Pauk, W., & Owens, R. J. Q. (2013). How to Study in College. Cengage Learning.




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